Tanzania: Restaurant oder Bar? (Zwischenbericht)

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Grillplatte für 2

Die Gastronomie ist hier in Tanzania (Dar es Salaam) ein wenig anders, als wir uns das vorher vorgestellt hatten. Zumindest trifft das auf die Restaurants zu, die wir bisher besucht haben. Da wir bei weitem noch nicht alle Stadtteile kulinarisch erkundet haben, will ich hier einmal einen kleinen Zwischenbericht geben.

Wir haben bislang einige Restaurants in Kigamboni und auch in der City (Nähe Fähre) besucht. Die meisten waren aber in Kigamboni, so dass dieser Zwischenbericht primär um die Restaurants in Kigamboni geht. Später, wenn wir mehr Restaurants in anderen Stadtteilen besucht haben, werde ich diesen Beitrag gerne ergänzen.

Grundsätzlich sehe ich in der Gastronomie hier noch Verbesserungspotenzial. Das muss man aber differenzierter sehen. Es geht vorwiegend um die Restaurants, die „westlich“ angehaucht sind. Bedeutet: Restaurants, die mehr oder weniger versuchen, einen europäischen bzw. westlichen Stil zu etablieren. Und genau das gelingt eben noch nicht so gut. Ich kann das nur in der aktuellen Zeit beurteilen. Der Tourismus an sich ist ja in den letzten beiden Jahren stark eingebrochen in Tanzania, so dass das auch einer der Gründe für einen etwaigen Qualitätsverlust sein kann.

Was meine ich nun? Wenn man an Restaurants in Europa denkt, hat man ungefähr folgendes im Kopf:

  • Entspannte/ruhige Atmospähre
  • Ausreichende/passende Beleuchtung
  • Keine langen Wartezeiten für Essen und Getränke
  • Meist große Auswahl an Gerichten und Getränken

Hier (in Kigamboni) ist das insgesamt etwas anders. Häufig findet man folgendes:

  • Laute Atmosphäre (oft gibt es mehrere Lautsprecher und Fernseher)
  • Es ist of dunkel an den Tischen, schlechte Beleuchtung
  • Es kommt vor, dass man länger als 2 Stunden auf sein Essen wartet
  • Begrenzte Auswahl an Gerichten (was nich per se schlecht ist)

Es ist also oft mehr „Bar“ als „Restaurant“. Wenn man an der Küste in Kigamboni entlang fährt, findet man sehr viele dieser Bars (z.B. mit dem Bajaj, siehe auch Harry, hol schon mal den Wagen!). Aber diese sind auch Bars, was völlig in Ordnung ist. Sehr oft findet man kleine Bars und local Restaurants. Meist steht vorne ein großer Grill, auf dem dann Hühnchen und Chips (Pommes, aber meist wirklich frisch aus Kartoffeln geschnitten) zubereitet werden.

Grundsätzlich wird da viel frittiert, also z.B. die Chips, aber auch Maniok-Wurzeln (siehe auch Lebensmittel einkaufen in Tanzania. Was essen wir heute?). Meistens gibt es Hühnchen und Fisch, seltener auch Rindfleisch. Schweinefleisch gibt es tatsächlich nur ganz selten. Viele Menschen sind hier ja auch muslimischen Glaubens, so dass man mit Hühnchen und Beef nicht viel falsch machen kann.

In den „local“ Restaurants kann man sehr günstig essen, wenn man bei den lokalen Speisen bleibt.

Ugali

Ugali mit Gemüse und Rindfleisch ist z.B. sehr lecker.

Die „local“ Bars sind völlig in Ordnung und man kann tatsächlich auch relativ günstig essen und trinken. Wir waren aber auch in Lokalen, die einen „westlichen“ Touch haben. Hier findet man dann auch gediegene Tische in sehr schöner Atmosphäre.

Ich verzichte im Folgenden auf die Nennung der Namen der Restaurants. Ich möchte hier keine Werbung machen. Aber ihr könnt mich gerne persönlich anschreiben, falls ihr da weitere Infos haben wollt (siehe Contact).

Was ist mit Preisen? In einem Lokal hier, in dem wir schon des öfteren waren, zahlen wir für 8 Personen zwischen 160000 TZS und 200000 TZS für 8 Personen (inkl. Cocktails, Bier und anderen Getränken). Das sind ca 65 – 82 €. Entspricht dann ca. 8 – 10 € pro Person. Aus unserer Perspektive ist das also erstmal günstig. Das Restaurant bzw. die Bar ist auch wirklich sehr schön, mit riesigem Außenbereich und Spielmöglichkeiten für Kinder.

Aber auch hier gibt es dann oft laute Musik und Fernseher (häufig englischer Fußball). Das wäre alles nicht schlimm. Aber wir waren auch schon manchmal fast die einzigen Gäste und es wurde trotzdem laute Musik aufgedreht. Das geht dann manchmal so weit, dass man sich auch nicht mehr unterhalten kann. Zu Gute halten muss man dann aber, dass das dann auf unseren Wunsch hin auch leiser gedreht wurde. Teilweise haben wir hier länger als 2 Stunden auf das Essen gewartet, obwohl das Lokal nicht gerade überfüllt war. Mit Wein scheint man sich hier auch wenig auszukennen, obwohl ein anderer Eindruck erweckt wird. Wenn man ein Essen bestellt hat, kommt es nicht selten vor, dass es das dann garnicht gibt und man sich umentscheiden muss (erfährt man dann aber erst später). Das Personal ist aber immer sehr bemüht und wirklich freundlich. Es fehlt eigentlich nur an „Expertise“, was den Service angeht. Vom Ambiente her könnte man mit einem besser geplanten Service aus so einem Lokal etwas richtig Gutes machen. Wer also aus der Gastronomie kommt, findet hier vielleicht „Geschäftsmöglichkeiten“.

Wenn das jetzt alles ein bisschen negativ klingt, möchte ich aber betonen, dass man hier richtig „lecker“ essen kann. Ein gutes Steak kriegt man hier zwar nicht (immer „durch“), aber dafür sehr gute andere Dinge: Allerlei mit Meeresfrüchten, Hühnchen und Fisch (auch als Curry), sehr gute Burger, frische Salate, frische Smoothies und auch allerlei Beilagen. Auch wenn der Fisch immer ein bisschen „totgegrillt“ ist, kann man hier sehr gut essen. Wenn man jetzt noch die „Rahmenbedingungen“ ein wenig verbessert, ist es also absolut empfehlenswert.

Es gibt aber auch sehr gute lokale Restaurants, die auch mehr als ein solches wirken. Als Beispiel möchte ich ein muslimisches Lokal bei uns in der Nähe anführen.

Hier gibt es lokales Essen, aber auch Burger und Pizza und sehr leckere frische Säfte und Smoothies (aber keinen Alkohol). Die Smoothies hier sind absolut empfehlenswert (kreativ in einer „Glühbirne“ serviert). Hier wird traditionell mit den Händen gegessen, es gibt also kein Besteck. Preislich liegt es ähnlich, wie oben schon beschrieben.

Auch gibt es einige Beach Resorts entlang der Küste in Kigamboni. In einem, indem wir waren, wird auch Livemusik gespielt und zu essen gibt es dann eher Snacks. Hier kann man dann aber sehr gut Cocktails usw. trinken.

Ein weiteres „Beach Resort“ möchte ich hervorheben, da uns das Essen hier besonders gefallen hat. Das Resort bietet auch Apartements/Bungalows und Zimmer am Strand an. Zudem gibt es einen Pool und einen riesigen Außenbereich, wo man sehr gut tagsüber und abends essen kann. Das ist zwar tagsüber dann auch ein bisschen „Partyatmosphäre“, aber abends kann man eigentlich ganz entspannt essen.

Der Service ist sehr gut und die Wartezeiten gehen in Ordnung. Länger als eine Stunde haben wir hier noch nicht auf unsere Gerichte gewartet. Die Strandatmosphäre ist sehr schön und man kann sich hier wirklich wie im „Urlaub“ fühlen. Die Kinder können in den Pool und man kann die Sonne bei einem Kaltgetränk genießen. Am Wochenende muss man ein Eintrittsgeld bezahlen, wenn man nicht im Resort wohnt (5000 TZS pro Person). Das dient bestimmt auch dazu, dass der Poolbereich nicht überlaufen ist am Wochenende. Aber ein netter Kellner hat uns sogar seine Handynummer gegeben und wir reservieren bei ihm direkt Tische und werden dann auch vom Eintrittsgeld am Wochenende „befreit“. Ein schöner Service. Ansonsten überwiegen hier zur Zeit aber einheimische Urlauber.

Ansonsten waren wir noch bei einem lokalen Restaurant in der City. Hier war dann auch wieder „wenig“ Licht, laute Musik, einige Fernseher und insgesamt eher „Bar“.

Das lokale Essen schmeckt aber sehr gut. Dazu gehören z.B. frittierte Bananen, gegrillter Fisch und allerlei Suppen. Zwar ist der Fisch immer ein bisschen „totgegrillt“, schmeckt aber dennoch ganz lecker. Auch hier wird mit den Händen gegessen und es gibt kein Besteck (aber man kann sich hier die Hände an verschiedenen Stellen waschen und auch am Tisch wird dann von der Bedienung die Händereinigung ermöglicht).

Der Fisch, den wir frisch selber zubereiten, schmeckt natürlich besser (*Zwinkersmiley):

Insgesamt gibt es also gerade im Service noch Potenzial nach oben, wenn man unsere „westlichen Erwartungen“ als Maßstab nimmt. Nichtsdestotrotz kann man sehr gut auswärts essen und insbesondere die Freundlichkeit des Personals möchte ich hervorheben. Immer wird versucht, alle Wünsche zu erfüllen. Wenn das mal nicht geht, ist das Servicepersonal nicht schuld daran. Es mangelt eher manchmal an der Organisation des Betriebs. Wir haben uns aber immer wohl gefühlt, auch wenn wir hier und da mehr Erwartungen an das Essen hatten.

Ich würde mir vielleicht wünschen, wenn weniger versucht würde, westliche Standards nachzuahmen und mehr die lokale Esskultur auch in den „touristischen“ Etablissments etabliert würde. Schließlich möchte man auch immer (zumindest ich/wir) die Kultur des Landes kennenlernen. Burger und Pizza kann man schließlich fast überall auf der Welt essen, aber Ugali und Maniok bekommt man nicht in Italien oder Spanien.

Ich veröffentliche auf diesem Blog regelmäßig Artikel zu unserem Leben in Tanzania. Alle Artikel zum Thema Tanzania findet ihr in der entsprechenden Kategorie (Tanzania). Wenn ihr Fragen oder Anmerkungen habt, nutzt gerne die Kommentarfunktion oder schreibt mir persönlich (Contact).

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Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Lukas

    Toller Bericht, herzlichen Dank fürs Teilen. An die musikalische Dauerberieselung müsste ich mich wohl zuerst gewöhnen…

    1. Leon

      Vielen Dank. Ja, an vieles muss man sich hier sicherlich gewöhnen. Zurzeit suchen wir z.B. eine neue Bleibe. Dazu kann ich sagen: Das ist ein echtes Abenteuer. Dazu schreibe ich dann aber auf jeden Fall noch mal was.